Das Sommerfest in Bergheim am Edersee


Sommerfest am 20.9., drei Tage vor dem kalendarischen Herbstanfang, ob das mit dem Wetter klappte?
Diese Frage stellte ich mir schon eine Woche vor dem Termin.

Die Woche fing wettermäßig super an und wurde immer besser, je näher der Termin rückte.

Am 20. gegen 13:15 Uhr sah ich auf unser Außenthermometer, es waren 26° C im Schatten, unglaublich
warm für diese Jahreszeit. Ich fragte mich, ob dieser Jahrhundertsommer überhaupt nicht mehr enden
wollte. Meine Gedanken schweiften zurück und ich denke noch heute an jenen denkwürdigen Tag am 24.5.
in Obervellmar, als ich das erste Mal Markus  zusammen mit Peter, Ecki und Jörg spielen hörte.
An diesem Tag war es auch unwahrscheinlich warm draußen und eigentlich hat für mich an diesem Abend
bereits da der Sommer angefangen.

Dass dieser Abend so sehr mein Leben verändern würde, hätte ich damals noch nicht gedacht und schon
gar nicht an die vielen Live-Auftritte danach. Unvergessen  bleiben mir die Abende am 7.6. im
"Colorado" in Volkmarsen, der Solo-Auftritt von Markus im "Caipirangha" in Warburg sowie die zwei
ganz besonderen Abende auf der "Waldbühne" in Niederelsungen mit ihrem eigenen Flair...

Nun sollte es mit dem Sommerfest in Bergheim also zum Abschluss dieses Sommers kommen.

Um 13:30 Uhr schnappte ich meinen Rucksack, in dem sich ein großes Marzipanbrot für Rudi befand,
in der Hand einen Blumenstrauß für Isabelle und so trotteten meine Tochter Nicole und ich zum
Bahnhof von Espenau. Mit dem Zug fuhren wir zum Hauptbahnhof von Kassel, wo wir ca. eine Stunde
Aufenthalt bis zur Weiterfahrt nach Bad Arolsen hatten.

Wir nutzten die Zeit, um uns für die ca. eine Stunde und zwanzig Minuten dauernde Fahrt mit
Lesematerial einzudecken, dann aßen und tranken wir noch eine Kleinigkeit und begaben uns dann in
den schon bereitstehenden Zug.

Ich war das letzte Mal 1984 eine längere Strecke gefahren, wie war doch die Zeit vergangen.

Während Nicole in ihre Zeitschrift versunken war, konnte ich mich überhaupt nicht auf mein
Lesematerial konzentrieren und sah mir lieber unsere nordhessische Landschaft an.

In Fürstenwald stellte ich fest, dass es noch Bauern gab, die Kühe draußen auf der Weide hielten,
leider gibt es bei uns in Espenau seit ungefähr 25 Jahren keine einzige Kuh mehr, die Bauern haben
alle auf Schweinezucht umgestellt und darum kamen mir diese Rindviecher ziemlich exotisch vor und
ich genoss den Anblick der weidenden Kühe mit großer Freude.

Um 16.16 Uhr fuhr der Zug in Volkmarsen ein und am liebsten wäre ich ausgestiegen um mal schnell
bei Jürgen im "Colorado" vorbeizuschauen. Ging aber nicht, denn in Bad Arolsen warteten bereits
Rudi und Isabelle auf uns. Der Zug war pünktlich um 16:30 Uhr in Bad Arolsen, Rudi und Isabelle
erwarteten uns bereits. Die Züge der Kurhessenbahn sind so gut klimatisiert, dass ich eine
Strickjacke überziehen musste. Als wir nun ausstiegen, schlug uns wieder eine unbändige Wärme
entgegen, unglaublich, dachte ich wieder bei mir selbst.

Von Bad Arolsen fuhren wir zu Rudi und Isabelle nach Adorf, wo wir ca. zwei Stunden Aufenthalt
hatten. Nachdem wir uns bei einer guten Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen gestärkt hatten, sahen
wir uns Fotos an und hörten Musik. Viel zu schnell ging die Zeit vorüber und gegen 18:45 Uhr fuhren
wir von Adorf nach Bergheim. Es war ein wunderschöner lauer Spätsommerabend und ich dachte mit
Grauen an den kommenden Herbst und den bevorstehenden Winter. Ganz schnell konzentrierte ich mich
dann aber auf den bevorstehenden Abend. Es wurde Zeit, höchste Zeit, denn ich hatte Markus vier
lange Wochen nicht mehr gesehen, Peter, Ecki und Jörg seit dem 2.8. auf der Waldbühne in
Niederelsungen nicht mehr. Wo war nur die Zeit geblieben?

Als wir über die Brücke in Bergheim zum Festgelände liefen, hörten wir Markus schon von weitem
singen, was, um diese Uhrzeit?

Gott sei Dank war es nur der Soundcheck, der aber so professionell war, dass man meinen konnte,
die vier hätten schon mit ihrem Auftritt begonnen.

Kurz, nachdem wir das Zelt betreten hatten, war der Soundcheck beendet und Markus kam schnurstracks
auf Isabelle zu und umarmte Isabelle so doll, dass es mir um sie Angst und Bange wurde, allerdings
hat sie es wohl doch sehr genossen.

Dann kam Markus auf mich zu und ich erwartete wie immer einen lieben Händedruck von ihm und die
übliche Frage, wie es mir gehen würde.

Puh, nun hatte ich mich aber gewaltig geirrt, denn statt des Händedrucks umarmte mich Markus ganz
fest, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Bin dann gleich mein Material für Markus' Mappe los geworden, welches bei mir wochenlang zu Hause
herumlag. Dann kam auch schon Ecki angedüst. Von ihm bekam ich auf die linke Hand einen
angedeuteten Handkuss und dann wurde ich umarmt, na, na, was war denn heute los? Ecki sah sich sehr
interessiert Nicole an, die ein wenig im Abseits stand und das gab mir dann die Gelegenheit, sie
offiziell als meine Tochter vorzustellen. Sofort hat sich Nicole mit Ecki unterhalten und sich als
Kelly-Fan geoutet, na ja, es gibt wohl schlimmeres. Dann kamen Peter und Jörg, an die ich auch die
Fotos von Niederelsungen los wurde und wir hatten Zeit, uns mit allen noch ein bisschen zu
unterhalten. Das Festzelt füllte sich derweil immer mehr und um 20:47 Uhr fingen Peter, Ecki und
Jörg mit den "Geisterreitern" an, allerdings, ohne dass Markus anwesend war. Aha, wieder mal was
neues, dachte ich mir.

Als die drei  dann das Stück zu Ende gebracht hatten, kündigte Ecki Markus an, der während des
Stücks abseits von der Bühne gestanden hatte. Markus wurde mit tollem Applaus empfangen.

Endlich! Markus hatte ein neues Hemd an, warum? Ha, ich hatte mich in Niederelsungen doch nicht
getäuscht, Markus hatte einige Kilos an Gewicht verloren und nun schien ihm die vorherige
Kleidergröße nicht mehr zu passen. Isabelle und ich haben beide festgestellt, dass Markus an
diesem Abend umwerfend gut aus sah und das war nicht übertrieben! Jetzt hatte ich endlich mal
ein anderes Outfit zum Fotografieren, als immer nur das T-Shirt vom Hard Rock Cafe in Nashville.
Nach ca. 30 Minuten wurde das Programm abrupt von Ecki unterbrochen und er kündigte eine gewisse
"Linda D" an.

Ungläubiges Kopfschütteln bei allen Anwesenden, niemand wusste, worum es sich bei dieser gewissen
Dame handelte. Einige Minuten später ertönte über Lautsprecher die Musik zu dem Stück "Cabaret"
und eine "Dame" erschien in einem tollen Kostüm, jene Dame war ein Mann!

Meine Güte, diese Schuhe mit den hohen Absätzen, mir verschlug es die Sprache. Ich dachte an meinen
immer noch nicht verheilten Bänderriss im linken Fuß und fragte mich, wie dieser Kerl es schaffte,
so gnadenlos und hemmungslos in diesen Schuhen herumzuspazieren, ohne damit umzuknicken.

Als wäre das noch nicht genug, begab sich "Linda" auf die Tische im Zelt und stolzierte in ihrem
Gewand so selbstsicher darüber, als würde sie das jeden Tag machen. Markus hatte sich inzwischen
auf eine Bank gesetzt und Rudi unterhielt sich mit ihm, ohne, dass beide Linda beachteten. Linda
trieb mit dem Publikum ihre Scherzchen, ging mal hier hin und mal dort hin. Rudi, der vor Markus
am Tisch stand, war so sehr in das Gespräch vertieft, dass er nicht mitbekam, wie Linda sich
schnurstracks zu ihm begab und dann hatte sie Rudi am Wickel. Rudi war total erschrocken über so
viel Zuneigung und begab sich deshalb schleunigst auf seinen Platz neben Isabelle. Linda war aber
flink, sie hatte sich Markus als nächstes Opfer erkoren und kraulte ihm liebevoll seinen Bart.
Wir konnten die Tränen vor Lachen nicht mehr zurück halten, das war wirklich ein gelungener
Auftritt.

Das Ganze dauerte ca. 15 Minuten und dann war der Spuk vorbei.

Markus hatte es dann sehr eilig, im Programm fortzufahren, was aber ganz in unserem Sinne war.

Nach einer sogenannten "Seitenaufziehpause", O-Ton von Markus, kam er an unseren Tisch und hockte
sich vor uns nieder. Ich konnte es mir dann nicht verkneifen ihn zu fragen, wie viel Ballast an
Kilos er abgenommen hätte. Sieben Kilo, bekam ich dann zur Antwort, hm, das gleiche Gewicht hatte
ich im Frühjahr verloren, allerdings in einer unfreiwilligen Rekordzeit von drei Wochen.

In der Zwischenzeit hatten irgendwelche Leute drei Eingänge zum Festzelt geöffnet und so kam
ungehindert die kalte Luft herein, wir fingen an zu frieren. Nicole bibberte richtig in ihrem
bauchnabelfreiem  Hemdchen und auch mir wurde es mit meinem Top ziemlich unangenehm. Gott sei
Dank hatte ich vorgesorgt und so zog ich auf der Toilette ein T-Shirt über, hatte außerdem noch
eine Strickjacke in meinem Rucksack.

Die Zeit verging wieder wie im Fluge, viel zu schnell war der offizielle Teil beendet, aber so
wollten wir Markus, Ecki, Peter und Jörg nicht einfach von dannen ziehen lassen und forderten
deshalb immer wieder nach einer Zugabe.

Leider geht jeder schöne Abend auch irgendwann einmal vorbei und kurz vor 1:00 Uhr war es dann
so weit.

Ich war ziemlich, oder besser gesagt sehr traurig. Für mich war es der letzte Abend in diesem Jahr,
an dem ich alle vier, Markus, Peter, Ecki und Jörg zusammen bei einem Live-Auftritt erleben durfte.
Mich beschlich ein wehmütiges Gefühl und als sich dann Peter zu uns gesellte und er uns sagte dass
er hundemüde wäre, hätte ich ihn am liebsten  tröstend in den Arm genommen.

Nicole war fix und fertig und so gingen wir hinter das Zelt, um uns von allen zu verabschieden.

Ich wollte nicht daran denken, wie viel Zeit vergehen würde, um alle zusammen wieder auf der Bühne
zu sehen und hatte einen dicken Kloß im Hals, als ich mich von den Vieren verabschiedet habe.

Das  w a r  der Jahrhundertsommer, den ich persönlich nie vergessen werde.

Nach allem, was ich persönlich in diesem Jahr erlebt habe, kann ich nun doch schon eine positive
Bilanz für mich ziehen:
Ich habe viele, viele Freunde dazu gewonnen und wir konnten gemeinsam viel lachen, ich denke nur an
die wunderschöne Kneipe namens "Caipirangha" oder an den Abend im "Colorado", als Rudi seinen
50. Geburtstag gefeiert hat und so könnte ich mühelos noch viel mehr schreiben.

Rudi und Isabelle haben Nicole und mich dann sicher nach Hause gefahren. Die beiden sind dann
erst um 4:15 Uhr wieder zurück nach Adorf gefahren, wir hatten uns ja noch so viel zu erzählen.

Ich hatte zwei Tage Schmerzen in meinen Pobacken, weil die Bänke doch nichts mehr für Leute meines
Alters sind, Isabelle erging es aber auch nicht besser. Nicole hatte sich eine schöne Erkältung
eingehandelt, aber was sind schon diese Wehwehchen gegen so einen tollen Abend?
Nichts, rein gar nichts.

Sehr oft muss ich in den letzten Tagen an den zurückliegenden heißen und für mich in mancher
Hinsicht total verrückten Sommer denken, der nun wirklich zu Ende ist, aber n i e mehr möchte ich
auf diese wundervollen Abende mit Markus, Ecki, Peter und Jörg verzichten!

Auch nicht auf die Freundschaft von Isabelle und Rudi, die sich auf wundersame Weise und für mich
doch überraschend zwischen mir und den beiden entwickelt hat.

Aber wem habe ich das alles letztendlich zu verdanken?  Peter - der mich regelrecht dazu überreden
musste, am 10.5. mit nach Volkmarsen zu kommen.

Was sich dadurch für mich persönlich alles geändert hat, weiß jeder, der daran beteiligt ist!

Jutta Amert

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